Es gibt eine feine Regel, um die Diskussionsqualität im Stadtparlament zu erhöhen. Hat eine Fraktion oder der Magistrat Beratungsbedarf, so werden auf deren Bitte vorliegende Anträge und Beschlussvorlagen geschoben, sprich vertagt.
Wie alles Schöne im Leben hat es auch hier seine Schattenseiten. Wenn es nämlich um Magistratsvorlagen geht, so ist hier im Umgang das Prinzip der Einbahnstraße zu beobachten. Möchte z.B. gerade eine kleine Fraktion Magistratsvorlagen, die wenige Tage vor der Sitzung eintrudeln und nicht selten 30 – 50 Seiten stark sind ernsthaft beraten und bitte also um “Schiebung”, dann hat es der Magistrat furchtbar eilig. Aus seiner Sicht eigentlich auch verständlich. Erstens braucht er die Stimmen der kleinen Fraktionen nicht und zweitens sind seine Vorlagen ohnehin stets ohne Alternative. Was schert da demokratische Spielregeln und eine höhere Beratungsqualität.
Gestern aber waren sich alle einig mit der Schiebung und von insgesamt 11 Tagesordnungspunkten wurden gleich 6 vertagt. Besonders lustig fand ich das Ansinnen der Piraten ihren eigenen Antrag zur Einführung einer Informationsfreiheitssatzung schieben zu lassen. 2 Monate, nachdem sie diesen Antrag selber gestellt haben, gibt’s immer noch intern Beratungsbedarf und er wurde jetzt schon zum zweiten Mal geschoben. Bei dem Antrag fand ich’s besonders schade, denn das Anliegen ist prima. Aber gestern: Alles Schiebung.

